Filmkritik: "Planet der Affen: Survival"

Es lebe der Affe

2017 scheint das Jahr der sterbenden Filmserien zu werden, nach der "Alien"-Serie kommt nun nach beinahe 50 Jahren offenbar auch das Ende für "Planet der Affen". Der neu angelaufene "Planet der Affen: Survival" (der im Englischen wesentlich passender "War for the Planet of the Apes" heißt) zeigt in seinen letzten Einstellungen exakt den Ort, an dem ein paar Jahre später Charlton Heston im ersten PdA-Film mit seinem Raumschiff stranden wird. Der Kreis hat sich also geschlossen. Und da es sich voraussichtlich um den letzten Teil der Sage handelt – obwohl: you never know – haben sich alle Beteiligten noch einmal Mühe gegeben und einen der besten Filme dieser Serie produziert.

Das gilt nicht nur für Story und Umsetzung, sondern auch und vor allem für die Technik. Selten zuvor ist einem so deutlich vor Augen geführt worden, wie rasant sich die Möglichkeiten beim computerbasierten Design von Gesichtern in den vergangenen Jahren entwickelt haben. Noch nie zeigte der Schimpanse Caesar, der erneut als Anführer der Affen auftritt, eine so eindrucksvolle, individuelle Mimik. Nie zuvor konnte man in seinen Gesichtszügen so deutlich Andy Serkis entdecken, der die Figur auch dieses Mal wieder spielt. Gleichzeitig ist Caesar aber eindeutig ein fellbesetzter Hominide, der ohne Zweifel auch das Gesicht eines Affen besitzt. Der Effekt ist tatsächlich verblüffend und sogar leicht beunruhigend.

Die Story: Während die verbliebenen Menschen durch einen Virus einer nach dem anderen in ihren kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt und in ihrer Entwicklung zurückgeworfen werden, haben sich die Affen in den Wäldern der amerikanischen Westküste ein hölzernes Dschungelfort gebaut. Dort werden sie vom Colonel (Woody Harrelson) und seinen Leuten aufgespürt, die Caesars Frau und Sohn töten. Mit drei Getreuen bricht er auf, um Rache zu nehmen, und findet die Festung des Colonels, ein ehemaliges Munitionsdepot. Doch die Menschen waren schneller und haben während der Abwesenheit von Caesar die Dschungelstadt überfallen, alle Affen gefangen genommen und sie in eine Art Kriegsgefangenenlager eingesperrt, wo sie zur Arbeit in einem Steinbruch gezwungen werden. Doch der Colonel hat sich nicht nur die Affen zu Feinden gemacht, aufgrund seines brutalen Umgangs mit dem Gegner wird er auch von den gesamten verbliebenen Streitkräften der USA gejagt.

Colonel? Dschungelfestung? Das hat man schon einmal gesehen. Und es sind nicht die einzigen Hinweise auf "Apocalypse Now", die Regisseur Matt Reeves eingebaut hat. Das beginnt bei dem kahlgeschorenen Colonel (nebenbei: Woody Harrelson ist hier mal wieder ganz ausgezeichnet) und reicht bis hin zu der Reise durch den Dschungel und den teilweise absurden Begegnungen. Zudem nimmt "Planet der Affen: Survival" auch Anleihen bei anderen Klassikern des Kriegsfilms wie "Gesprengte Ketten" und "Die Brücke am Kwai". Ein solches Meisterwerk ist "Survival" natürlich nicht, doch er gehört auf jeden Fall zu den besseren, intelligenteren Sommer-Blockbustern.

Dazu trägt auch bei, dass es der erste der neuen Prequel-Filme ist, der seine Geschichte konsequent aus Sicht der Affen erzählt. Sie sind nicht nur die neuen Herren der Welt, sondern sie haben auch den Kampf um die Deutungshoheit gewonnen. Caesar ist der unbestrittene Held in diesem Krieg, die Menschen haben in die Rollen der Bösewichte gewechselt. Der Mensch ist tot, es lebe der Affe.

"Planet der Affen: Survival" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Dienstag 08 August 2017 um 22:50 von Roland Freist

Bearbeitet: Mittwoch 09 August 2017 11:11

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Filmkritik: "Dunkirk"

Warten am Strand

Die Schlacht um die nordfranzösische Küstenstadt Dünkirchen im Mai und Juni 1940 war eine der größten Niederlagen der französischen und britischen Armee während des Zweiten Weltkriegs. Eingekesselt von deutschen Truppen, sammelten sich Hunderttausende Soldaten, darunter zahlreiche Angehörige des Britischen Expeditionskorps, am Strand, um per Schiff nach England evakuiert zu werden, während immer wieder neue deutsche Luftangriffe die wartenden Soldaten ins Visier nahmen.

Regisseur Christopher Nolan nimmt diese Ereignisse als Hintergrund für seinen neuen Film "Dunkirk". Allerdings versucht er nicht einmal, die Schlacht selbst darzustellen, das interessiert ihn offensichtlich nicht. Stattdessen konzentriert er sich auf drei Handlungsstränge mit einigen wenigen Personen, die er zum Schluss in gemeinsamen Szenen zusammenführt. Strang Nummer eins ist die Geschichte eines jungen Soldaten namens Tommy (Fionn Whitehead), der wohl nicht nur aufgrund seines Namens stellvertretend für die britischen Truppen steht. Der Film zeigt ihn, wie er versucht zu überleben und auf ein Schiff zu kommen, das ihn über den Kanal nach Hause bringt, während nahezu alle Personen um ihn herum nacheinander sterben. Der zweite Handlungsfaden verfolgt den britischen Spitfire-Piloten Farrier (Tom Hardy), der von England aus aufbricht, um die britischen Kriegsschiffe und die Truppen am Strand vor den Angriffen deutscher Bomber und Jagdflugzeuge zu schützen. Die dritte Story erzählt die Geschichte eines Fischers (Mark Rylance), der nach einem Aufruf der britischen Regierung mit seinem Boot nach Frankreich aufbricht, um bei der Evakuierung der Truppen zu helfen.

"Dunkirk" ist zwar ein Kriegsfilm, allerdings ein sehr ungewöhnlicher. Er spielt in einem Zeitrahmen von etwa einem halben Tag, als die Schlacht schon lange vorbei und verloren ist. Seine Dramatik gewinnt er allein durch die verzweifelte Lage der Soldaten am Strand, auf groß angelegte Gefechtsszenen verzichtet er. Mit Ausnahme einer wenige Sekunden dauernden Szene am Schluss sieht man während des gesamten Films keine deutschen Soldaten. Die Engländer nennen sie nur "die Krauts" oder "der Gegner", es bleiben anonyme Figuren. All das trägt zu dem Eindruck bei, dass die Geschichten, die der Film erzählt, in jedem beliebigen Krieg spielen könnten. Es geht um Soldaten, die nur noch nach Hause wollen, und um andere, die einfach das Richtige tun wollen. Ob das Szenario nun im besetzten Frankreich des Jahrs 1940, in Vietnam oder im Irak angesiedelt ist, wird zur Nebensache. Hier geht es um ganz normale Menschen in Kriegszeiten, was in ihnen vorgeht, wie sie handeln. Sehr wohltuend ist, dass Nolan auf patriotische Überhöhungen weitgehend verzichtet.

Leider gelingt es dem Regisseur aber auch dieses Mal nicht, seine Figuren zu echtem Leben zu erwecken. Seine Filme waren schon immer ein wenig zu kopflastig, zu konstruiert, nie hat man den Eindruck, dass er mit all seinem Herzblut hinter einem Projekt steht. Selbst bei einem so brillanten Streifen wie "Interstellar", der auf faszinierende Weise Astrophysik mit Reflexionen über die Liebe verknüpft und dessen Hauptfiguren von großartigen Schauspielern verkörpert werden, blieb zwischen den Charakteren und den Zuschauern immer eine gewisse Distanz bestehen.

"Dunkirk" ist aber vielleicht gerade deswegen ein sehr guter Film geworden. Natürlich sind auch die Bilder toll, die unübersehbaren Massen der Truppen am Strand, die in langen Schlangen auf Transportschiffe warten, die einfach nicht kommen wollen, die Luftkämpfe über dem Kanal zwischen den britischen Spitfires und den deutschen Messerschmidt-Jägern. Doch seine wahre Faszination entwickelt der Film, da er ein Massenereignis nimmt und es in drei einfachen Geschichten rund um ein halbes Dutzend Männer widerspiegelt.

"Dunkirk" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Mittwoch 02 August 2017 um 10:54 von Roland Freist

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Filmkritik: "Valerian – Die Stadt der tausend Planeten"

Der Film der tausend Planeten

Während die beiden Comic-Giganten Marvel und DC Comics seit Jahren einen Blockbuster nach dem anderen raushauen, war es um die europäischen Comics bislang verhältnismäßig still geblieben. Es mangelt vor allem an Realfilmen. Gut, es gab die Asterix-Verfilmungen mit Gérard Depardieu als Obelix, die man aber insgesamt eher als missglückt betrachten muss. Es gab den Tim-und-Struppi-Film von Spielberg, dem jedoch das Herz fehlte. Nun hat sich Luc Besson mit "Valerian – Die Stadt der tausend Planeten" darangemacht, mit großem Budget und hohem Aufwand einen der zahlreichen Action-Comics aus dem französischen Sprachraum zu verfilmen. Dort erschienen die Science-Fiction-Stories um die beiden Agenten Valerian und Laureline ab 1967 in der Zeitschrift Pilote. Ab 1973 wurde die Serie für den deutschen Markt durch das legendäre Zack-Magazin übernommen und aus ungeklärten Gründen in "Valerian und Veronique" umbenannt.

Der Film beginnt mit der Geschichte der Stadt der tausend Planeten. Ihr Herz bildet die ISS, die im Laufe der Jahrhunderte immer weitere Anbauten bekam und neue Besatzungsmitglieder aufnahm, darunter zunehmend Angehörige fremder Zivilisationen, mit denen die Menschheit in Kontakt trat. So wuchs sie zu einer riesigen Kugel heran, die irgendwann für den Erdorbit zu groß wurde und seither wie ein Raumschiff das All durchquert. Als der Film beginnt, leben mehr als 5000 Spezies auf der Station, die zu einer Großstadt namens Alpha herangewachsen ist.

Dort sind Major Valerian (Dane DeHaan) und Sergeant Laureline (Cara Delevingne) vom Raum-Zeit-Service stationiert. Der Film stellt sie vor mit einer schönen, actionreichen Verfolgungsjagd durch einen Basar in einer anderen Dimension, bei der sie ein gürteltierähnliches Alien sicherstellen, das die Fähigkeit besitzt, jeden beliebigen Gegenstand zu vervielfältigen. Es stammt von einem Planeten, der uns bereits in einer Eingangsszene des Films vorgestellt wurde, mit paradiesischer Natur und bevölkert von zartgliedrigen, friedfertigen Wesen, die vermutlich nicht ganz zufällig an die Na’vi, die blauen Hippies aus James Camerons "Avatar" erinnern.

Mit dem Alien im Gepäck reisen Valerian und Laureline zurück nach Alpha, wo sie den Oberkommandierenden Arun Filitt (Clive Owen) beschützen sollen, der jedoch trotzdem von geheimnisvollen Angreifern entführt und in einen entlegenen, angeblich radioaktiv verseuchten Bereich tief im Bauch von Alpha gebracht wird.

Spätestens ab diesem Punkt weiß man als Zuschauer, wie sich die Handlung voraussichtlich weiterentwickeln wird. Und tatsächlich hält die Story von "Valerian" im weiteren Verlauf keine großen Überraschungen bereit. Wesentlich interessanter sind denn auch die CGI-Effekte des Films. Besson hatte im Vorfeld erzählt, er habe den Comic – den Lieblingscomic seiner Jugend – schon seit Jahren verfilmen wollen. Doch erst jetzt sei die erforderliche Technik verfügbar. Und die nutzt er weidlich aus. Mit einer unglaublichen Liebe zum Detail beschreibt er etwa die Tausenden von Handelsständen im großen Basar und anschließend das Innere von Alpha, wo Wasserwesen neben kleinen Computer-Konstrukteuren mit flinken Händen und großen, ungeschlachten Höhlenbewohnern leben. Die Phantasie, die hinter all diesen Wesen und Welten steckt, die Faszination, die von den verschiedenen Körpern, Farben, Bewegungsarten ausgeht, ist das wichtigste Argument, das für diesen Film spricht.

Denn leider hat er auch etliche Schwächen. Neben der einfallslosen Story sind das vor allem die beiden Hauptfiguren, von denen man einfach zu wenig erfährt. Dane DeHaan ist ein gutaussehender Kerl und mag auch ein passabler Darsteller sein, doch hier wirkt er einfach nur glatt. Cara Delevingne dagegen, die Frau mit den eindrucksvollen Augenbrauen, in Deutschland vor allem durch die Zalando-Werbung bekannt, ist zwar keine sonderlich gute Schauspielerin – ihre Bewegungen wirken teilweise zu angestrengt und gekünstelt –, doch sie hat sich ganz offensichtlich Gedanken über ihre Figur gemacht, wie sie in einer bestimmten Situation reagieren, was sie tun würde. Ihre Laureline wirkt daher wesentlich lebendiger und zugänglicher als Valerian.

Neben diesen beiden treten noch eine Reihe weiterer bekannter Namen auf. So spielt Jazzmusiker Herbie Hancock den Verteidigungsminister von Alpha, Ethan Hawke gibt einen Zuhälter und Popstar Rihanna mimt eine Gestaltwandlerin, die sich als Schauspielerin versucht, was eine ganz eigene Ironie ergibt.

"Valerian" nimmt viele Anleihen bei "Avatar" und Bessons eigenem Film "Das fünfte Element". Technisch ist er brillant und daher einen Kinobesuch wert, doch das allein reicht für einen guten Film leider nicht aus.

"Valerian" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Montag 24 Juli 2017 um 22:58 von Roland Freist

Bearbeitet: Montag 24 Juli 2017 23:44

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Filmkritik: "Wonder Woman"

Wie Ludendorff wirklich starb

Neben den beiden großen Heroen des DC-Comic-Universums, Superman und Batman, war Wonder Woman eigentlich immer nur eine Nebenrolle. In den USA erreichte die Figur vor allem durch eine Fernsehserie in den 70er Jahren eine größere Bekanntheit, in Deutschland lief die Serie in den 90er Jahren bei RTL. Darüber hinaus soll Wonder Woman bereits in der letzten DC-Comicverfilmung "Batman vs. Superman" aufgetaucht sein, die ich leider nicht gesehen habe. Doch das ist auch nicht notwendig, um diesen neuen Film verstehen zu können.

Die Geschichte ähnelt ein wenig der von Superman. Allerdings wächst Wonder Woman, mit bürgerlichem Namen Diana, nicht auf Krypton auf, sondern auf der Insel Themyscira, die aussieht, als sei sie irgendwo in der Ägäis gelegen. Dort leben die Amazonen, ein Stamm von unsterblichen, kriegerischen Frauen. Diana ist die Tochter von Königin Hyppolita (Connie Nielsen) und dem Gott Zeus und damit eine Halbgöttin mit übermenschlichen Kräften. Gespielt wird sie wie schon in "Batman vs. Superman" von der israelischen Schauspielerin Gal Gadot, die in ihren zwei Jahren bei der Armee als Sporttrainerin gearbeitet hat, was man ihr auch durchaus ansieht.

Eines Tages stürzt nahe der Insel ein einmotoriges Flugzeug ins Meer, gesteuert von dem britischen Geheimagenten Steve Trevor (Chris Pine). Er wird verfolgt von einem deutschen Kriegsschiff und wir erfahren, dass wir uns nun in den Jahren des ersten Weltkriegs befinden. In einer kraftvollen und hervorragend inszenierten Schlachtszene am Strand von Themyscira besiegen die nur mit Pfeil und Bogen bewaffneten Amazonen die deutschen Soldaten. Regisseurin Patty Jenkins übernimmt an dieser Stelle den Bilderstil von Zack Snyders martialischem Sparta-Epos "300" – kein Wunder, denn Snyder taucht in den Credits sowohl bei den Drehbuchautoren wie auch in der Liste der Produzenten auf.

Trevor überredet Diana, ihm nach Europa zu folgen. Sie hofft, dort den Kriegsgott Ares stellen zu können, der nach der Überlieferung verantwortlich für die Kriege der Menschen ist. Von London aus starten sie mit drei Freelance-Soldaten zu den Schlachtfeldern des ersten Weltkriegs in Belgien. Dort arbeitet die Chemikerin Dr. Maru (Elena Anaya) im Auftrag von General Ludendorff (Danny Huston) an einer neuen Form von Senfgas, die auch Gasmasken durchdringen kann. Ludendorff hofft, den Krieg auf diese Weise noch gewinnen zu können, während sich die Politiker in Berlin bereits auf einen Waffenstillstand vorbereiten. Diana hält zunächst ihn für die Verkörperung von Ares, muss dann allerdings erkennen, dass ihr der wahre Endkampf erst noch bevorsteht.

"Wonder Woman" ist in mehrerer Hinsicht ein bemerkenswerter Film. Nicht nur, weil er emotional starke Kampfszenen liefert wie die bereits erwähnte Strandszene oder den Vormarsch von Diana gegen die Schützengräben der deutschen Truppen. Er bezieht auch eindeutig Stellung gegen den Krieg, zeigt die Wirkung und die Folgen von Giftgasangriffen, ermordete Zivilpersonen und zerstörte Dörfer. Diana, die mit der einigermaßen romantischen Vorstellung vom Krieg als einem Duell zwischen ihr und Ares aufwuchs, wird schnell eines Schlechteren belehrt und beginnt, sich für die Schicksale der Betroffenen zu interessieren und daraus ihre Motivation zu schöpfen. Seine schwächsten Momente hat der Film am Schluss, als es zum unvermeidlichen Kampf der Titanen kommt. Die ganze intelligente Inszenierung und die Subtilität, welche die ersten anderthalb Stunden auszeichneten, werden dann für einen eher drögen Blitzkrieg (im wörtlichen Sinne) aufgegeben.

Immerhin entwickelt die Geschichte zwischendrin noch einigen an Humor. So spielt Regisseuring Jenkins etwa nach der Ankunft von Trevor und Diana in London genüsslich mit den Konflikten, die sich aus dem Aufeinandertreffen von Amazonen- und realer Welt ergeben und verteilt nebenher noch einige Seitenhiebe auf die Männerbünde in Politik und Gesellschaft der damaligen Zeit.

"Wonder Woman" ist einer der besten Superhelden-Filme im klassischen Stil des ersten "Superman" oder auch der "Avengers". Hier geht es nicht um Moral, Depressionen und Selbstzweifel, sondern um den Kampf von Gut gegen Böse, wobei das absolut Böse der Krieg selbst ist. Wie gesagt, ein guter Film.

"Wonder Woman" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Montag 03 Juli 2017 um 22:28 von Roland Freist

Bearbeitet: Mittwoch 02 August 2017 11:38

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Filmkritik: "Die Mumie (2017)"

Hätte man sie doch bloß nicht wiederbelebt

Mumien sind seit jeher beliebte Elemente des klassischen Horrorfilms, was wohl vor allem damit zu tun hat, dass bereits die Vorstellung, wie die Leiche unter den ganzen Mullbinden wohl aussehen mag, ein leichtes Gruselgefühl hervorruft. Wenn die in Jahrtausenden vertrockneten Körper dann noch aufstehen und die Lebenden mit allerlei altägyptischem Zauber bedrohen, hat man alle Zutaten für einen gelungenen Grusel beisammen. Eigentlich sollte dann nicht mehr viel schiefgehen können. Kann es aber doch, wie die 2017er Version von "Die Mumie" beweist.

Wohl jeder kennt die 1999er Version mit Brendan Fraser als zwielichtigem Grabräuber im Ägypten der 20er Jahre. "Die Mumie" von 2017 nun verlegt die Handlung in die Gegenwart und setzt auf die beiden Superstars Tom Cruise und Russell Crowe. Cruise spielt den amerikanischen GI Nick Morton, der während des Irakkriegs ausbüxt, um in der Wüste einen sagenhaften Schatz zu suchen. Zusammen mit seinem Kumpel Chris (Jake Johnson) und der hübschen Archäologin Jenny Halsey (Annabelle Wallis) stößt er tatsächlich auf eine Grabhöhle mit einem stark geschützten Sarkophag, der daraufhin nach London überführt wird. Warum Amerikaner ein archäologisches Fundstück nach England bringen, wird übrigens nicht weiter erklärt.

Wie auch immer: Der Sarkophag dient natürlich als Gefängnis für eine Mumie, in diesem Fall die Überreste einer ägyptischen Prinzessin namens Ahmanet (Sofia Boutella). Sie sollte ehemals als älteste Tochter des Pharaos das ägyptische Reich erben, was aber quasi in letzter Minute nicht klappte, woraufhin sie sich mit dem Gott Seth einließ und ihren Vater, dessen Frau und ihren gemeinsamen Sohn ermordete. Nachdem nun Nick ihre Fesseln gesprengt hat, macht sie sich auf zur Weltherrschaft. Dabei soll ihr Nick zur Seite stehen, der, man weiß nicht, wie's dazu kam, Ahmanets alten Verbündeten Seth in sich trägt. Er macht sich immer mal wieder durch Visionen aus dem alten Ägypten bemerkbar und steuert zeitweise auch Nicks Willen.

Diese Story hört sich nicht nur in der Nacherzählung dröge an, auch die Filmhandlung ist eher langweilig. Die Macher waren daher so klug, der Handlung keine größere Aufmerksamkeit zu schenken und sich voll und ganz auf die Horroreffekte zu konzentrieren. Hier liegen eindeutig die Stärken des Films, man spürt die Hollywood-Routine beim Aufbau der Buh-Effekte, wenn etwa die Protagonisten langsam auf einen Raum zugehen und plötzlich irgendwelche Monster oder Waffen ins Bild schießen. So gesehen erfüllt dieser Film seinen Daseinszweck, denn er ist gut geeignet für Teenager, die zusammen mit Freund oder Freundin ins Kino gehen und sich in Schreckmomenten aneinander kuscheln wollen. Ein typische Sommer-Blockbuster also.

Über die Handlung darf man sich freilich keine Gedanken machen. In London etwa taucht ohne ersichtlichen Grund der von Russell Crowe gespielte Dr. Jekyll auf, vielleicht weil dem Filmstudio ein Monster pro Film zu wenig war. Doch gerade als ich mich auf den Kampf zwischen Mumie und dem bösen Mr. Hyde zu freuen begann, war er auch schon wieder verschwunden und ward bis zum Ende des Films nicht mehr gesehen. Die Dialoge sind auf ähnlichem Niveau, Wortwechsel wie "Du hast seine Frau und ihr Kind getötet." "Das waren andere Zeiten damals." sind keine Seltenheit.

Immerhin macht Russell Crowe seine Sache noch recht gut. Das Gleiche kann man nicht über Tom Cruise sagen, der sich offensichtlich entschlossen hatte, eine Art Indy ohne den Professor-Jones-Überbau zu mimen. Das ist ihm weitgehend misslungen, sein Nick Morton ist einfach nur ein Hampelmann ohne jeden Charme. Angeblich hatte Nick bereits vor dem Eintreffen im Irak eine Affäre mit Jenny Halsey, was angesichts der Charaktere völlig ausgeschlossen erscheint. Die beiden Frauen übrigens, sowohl Annabelle Wallis wie auch die gebürtige Algerierin Sofia Boutella, erbringen zwar keine Meisterleistungen, agieren jedoch zumindest solide und ohne größere Ausrutscher.

Der 1999er Mumienfilm besaß Witz, Charme, eine nachvollziehbare Handlung und als glaubwürdiges Motiv eine sich über die Jahrtausende erstreckende Liebesgeschichte. Hinzu kamen einige für die damalige Zeit spektakuläre CGI-Effekte. Der "Mumie" von 2017 fehlt das alles, dies ist einfach nur ein zusammengeschustertes Stück Popcorn-Kino mit einigen gekonnt eingesetzten Horroreffekten. Wer seiner oder seinem Angebeteten im Kino näherkommen will, soll sich diesen Film ansehen. Alle anderen können darauf verzichten.

"Die Mumie" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Dienstag 13 Juni 2017 um 22:46 von Roland Freist

Bearbeitet: Mittwoch 14 Juni 2017 15:18

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Die besten Zuordnungen von OnlineTvRecoder

Wer sich bei dem Webdienst OnlineTvRecorder.com anmeldet, erhält jeden Morgen eine E-Mail mit den 20 beliebtesten Aufnahmen des jeweiligen Tages. Unter jedem Titel stehen dort auch Sender und Uhrzeit sowie die Kategorie, in die der Dienst die Sendung einordnet. Leider weiß man nicht, ob diese Kategorisierung von einem Computer, einem humorbegabten Mitarbeiter oder schlicht einem Ahnungslosen vorgenommen wird. Auf jeden Fall ergeben sich immer wieder sehr schöne Zusammenstellungen. Hier einige Beispiele aus den vergangenen Monaten:

Riddick – Überleben ist seine Rache Sozial-Studie

R.E.D. 2 Noch älter, härter, besser Impro-Comedy

Ironclad 2: Bis aufs Blut Familie & Erziehung

Jack Ryan: Shadow Recruit Wirtschaftsnachrichten

Auf der Flucht Bildung

Lethal Weapon Basketball

Der Mann in der eisernen Maske Fechten

The Dark Knight Sitcom-Serie

Kampf der Titanen Familie & Erziehung

Unknown Identity Magazine, Reportagen, News

 

Geschrieben am Dienstag 13 Juni 2017 um 11:43 von Roland Freist

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Filmkritik: "Alien: Covenant"

Alien: Schluss

Zum Schluss ist man fast froh, dass es nun endlich vorbei ist. "Alien: Covenant" schließt die Lücke zwischen "Prometheus" und dem ersten Alien-Film von 1979 und gibt Antworten auf die letzten noch offenen Fragen. Man erfährt, woher die Aliens ursprünglich kamen, wie sie entstanden, warum sie erschaffen wurden. Die Geschichte ist zu Ende erzählt, und das ist gut so. Denn "Covenant" ist kein guter Film mehr.

Regisseur Ridley Scott, der den ersten Teil der Saga gedreht und den Ruhm der Serie begründet hatte, erzählt in diesem sechsten Teil die Geschichte des Raumschiffs Covenant und seiner Besatzung. Zehn Jahre nachdem die Prometheus sich auf den Weg nach dem Ursprung der Aliens gemacht hatte, ist es mit mehr als 2000 Siedlern im Tiefschlaf auf dem Weg zu einem unbewohnten Planeten. Nach einem Unfall wird die Besatzung automatisch aufgeweckt und entdeckt ganz in der Nähe einen weiteren Planeten, der sich ebenfalls für eine Besiedlung eignen könnte. Dort angekommen, stellt sich heraus, dass es sich um den Heimatplaneten der Außerirdischen handelt, die wir in "Prometheus" kennengelernt hatten. Doch sie sind alle tot, der Planet wird nur noch fiesen Monstern bewohnt, die sich wie Schwärme aus Blütenpollen formieren und menschliche Wesen über den Gehörgang oder auch die Nasenschleimhäute infizieren. Das einzige intelligente lebende Wesen auf dieser Welt ist der Androide David (Michael Fassbender) von der Prometheus, der das von den Ohren- beziehungsweise Nasenbohrern bereits dezimierte Team der Covenant bei sich aufnimmt. Er lebt in der ehemaligen Stadt der Außerirdischen in einer Höhle und sagt Sachen wie "Niemand versteht die traurige Perfektion meiner Träume". Ganz offensichtlich ist er verrückt geworden.

"Alien: Covenant" besteht zu großen Teilen aus Versatzstücken der beiden bisherigen Alien-Filme von Scott. Die großen Eier tauchen wieder auf, in denen der Alien-Nachwuchs heranreift, der Facehugger, der den menschlichen Wirt infiziert, die Geburtsszene mit dem Durchstoßen der Bauchdecke, aber auch die bleichen Erschaffer der Menschheit und nicht zuletzt auch die philosophischen Betrachtungen über das Wesen des Menschen und seine Herkunft. Echte Überraschungen sind Fehlanzeige, stattdessen weiß man den größten Teil der Zeit, was kommen wird, und schaut demensprechend gelangweilt zu. Man spürt den fehlenden Enthusiasmus bei diesem Filmprojekt. Musste halt noch gemacht werden, damit die Reihe abgeschlossen werden kann.

Ähnlich uninteressant wie die Handlung sind die Charaktere. Man lernt keinen von ihnen wirklich kennen, entsprechend egal ist es einem dann auch, wenn sie, getreu den Regeln des Horrorfilms, einer nach dem anderen ins Gras beißen. Oftmals ist auch nicht klar, wer gerade noch am Leben und wer bereits tot ist. Zwischendurch ertappte ich mich bei dem Gedanken "Oh, die beiden gibt’s ja auch noch", als plötzlich zwei Figuren wieder auftauchten, die eine Weile von der Bildfläche verschwunden waren. So etwas wirft kein gutes Licht auf die Charakterzeichnung eines Films.

Auch schauspielerisch ist der Film eine Enttäuschung. Michael Fassbender läuft als einziger zur Normalform auf, ist souverän und überzeugend. Hier spielt er sogar eine Doppelrolle, da an Bord der Covenant ein weiterer Androide seines Typs zur Mannschaft gehört. Anderen bewährten Schauspielern wie Billy Crudup ("Almost Famous", "Watchmen"), Danny McBride ("Up in the Air") oder Demián Bichir ("The Hateful 8") gelingt es nicht, sich im engen Korsett ihrer Rollen zu entfalten. Die Hauptrolle hingegen, die bei den Alien-Filmen traditionell von einer Frau gespielt wird, hat Katherine Waterston ("Inherent Vice") erhalten. Sie ist eine gute Schauspielerin, in dieser Rolle jedoch trotz Kurzhaarfrisur eine Fehlbesetzung. Wehmütig denkt man an die Zeiten von Ripley alias Sigourney Weaver zurück, der auch das begriffsstutzigste Alien bereits von weitem ansah, dass mit dieser Frau nicht gut Kirschen essen ist. Waterstons Figur kann in keiner einzigen Szene einen ähnlichen Eindruck erwecken.

Mit "Alien: Covenant" hat Ridley Scott eine große Chance vertan. Es war klar, dass der ursprüngliche Handlungsstrang der Alien-Filme sein Ende erreicht hatte und etwas Neues kommen musste. "Prometheus" war ein guter, vielversprechender neuer Ansatz und auch ein guter Film. So hätte es weitergehen können. Doch stattdessen beschränkt sich "Covenant" im Wesentlichen auf das Wiederkäuen bereits bekannter Szenen. "Alien: Covenant" fehlen die Neugierde und die Faszination für das Unbekannte, welche die Vorgänger einst zu einem stilbildenden Mythos machten.

"Alien: Covenant" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Sonntag 21 Mai 2017 um 23:31 von Roland Freist

Bearbeitet: Montag 22 Mai 2017 21:29

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Filmkritik: "Guardians of the Galaxy Vol. 2"

Superhelden im LSD-Rausch

Als ich etwa 18, 19 Jahre alt war, hatte ich einige experimentierfreudige Mitschüler, die sich von Zeit zu Zeit bekifft Filme ansahen. Kubricks "2001" kam ihnen zufolge ganz gut, Fassbinders "Querelle" dagegen war wohl ein ziemlicher Flop. "Guardians of the Galaxy Vol. 2" hätten sie geliebt. Denn der Film ist bunt, regelrecht quietschbunt, in etwa so wie die Batman-Filme von Joel Schumacher, allerdings deutlich lustiger. Insgesamt wirkt er, als wäre er im LSD-Rausch designt worden.

Regisseur James Gunn hat alles übernommen, was im ersten Teil gut funktionierte, den Humor, die fünf Helden mit der zweifelhaften Intelligenz, die Musik, und er hat alles weggelassen, was schon damals scheiterte, darunter vor allem den Versuch, eine nachvollziehbare, spannende Handlung aufzubauen. Der zweite Guardians-Film ist über weite Strecken hinweg eine Aneinanderreihung mittelmäßiger, teilweise aber auch wirklich guter Witze, die größtenteils auf Kosten der fünf Protagonisten gehen. Das sind erneut Peter Quill a. k. a Star-Lord (Chris Pratt), die grünhäutige Gamora (Zoe Saldana), der tätowierte Muskelberg Drax (Dave Bautista), der schießwütige Waschbär Rocket (im Original mit der Stimme von Bradley Cooper) sowie Baby Groot, der Ableger des im ersten Teil gestorbenen Baumwesens Groot, erneut gesprochen von Super-Macho Vin Diesel.

Um diese Figuren herum haben die Drehbuchschreiber ein dürres Handlungsgerüst aufgebaut, das im Wesentlichen daraus besteht, dass Peter Quills Vater in Gestalt von Kurt Russell auftaucht. Er entpuppt sich als ein Millionen Jahre alter Gott und ist gleichzeitig ein Planet, der in seiner psychedelischen Farben- und Formenpracht aussieht wie der Realität gewordene Traum eines 70er-Jahre-Drogenfressers. Aber auch abseits von den Quills geht es viel um Familie und Vater-Sohn-Beziehungen, vermutlich soll das sogar das Grundmotiv des gesamten Films darstellen.

Die passende Musikuntermalung dazu ist natürlich "Father and Son" von Cat Stevens. Aber auch der Rest des Soundtracks ist mit feinem Gespür ausgesucht, angefangen von "Mr. Blue Sky" von ELO über "The Chain" von Fleetwood Mac bis hin zu George Harrisons "My Sweet Lord", dem ständig wiederholten Gegreine, wie gern er doch seinen Gott sehen würde.

"Guardians of the Galaxy Vol. 2" wirkt wie eine große, fröhliche Mottoparty, bei der Geld keine Rolle spielt. Es werden exotische Drogen gereicht, die Musik passt, man trifft viele gute Bekannte (in Cameo-Rollen treten unter anderem Sylvester Stallone, David Hasselhoff, Ving Rhames und Michelle Yeoh auf) und alle sind gut drauf. Der erste Teil war besser, da er zumindest ansatzweise noch so etwas wie eine Spannungskurve hatte. Diesmal gibt es im dritten Akt einige nicht zu übersehende Längen. Aber hey, alles in allem ist Guardians 2 dann doch ziemlich groovy.

"Guardians of the Galaxy Vol. 2" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Freitag 28 April 2017 um 0:00 von Roland Freist

Bearbeitet: Dienstag 08 August 2017 22:44

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Filmkritik: "Free Fire"

Feuer frei

Seit einigen Jahren lässt sich eine Neuorientierung des Actionfilms beobachten. Streifen wie "The Raid", "John Wick" oder, mit Abstrichen, "Lone Survivor", verzichten auf große Handlungsbögen, ausgefeilte Charakterzeichnungen und die klassischen, muskelbepackten Genrestars wie die drei großen S (Snipes, Stallone, Schwarzenegger). Stattdessen nehmen sie sich eine Situation vor, die Erstürmung eines Hochhauses in Jakarta oder die Flucht vor einer Gruppe von Talibankriegern in Afghanistan, und studieren sie wie unter einem Mikroskop. Jedes Detail ist wichtig. Trotz erkennbar mickrigem Budget geben sich alle Beteiligten größte Mühe, jedes Detail so perfekt zu gestalten wie es nur irgend geht. Dies sind Filme, die Action ernst nehmen.

In diese noch recht junge Tradition reiht sich nun "Free Fire" ein. Das Szenario ist ein Waffendeal im Boston der späten 70er Jahre. Zwei Gruppen von Gangstern treffen sich in einer alten Lagerhalle, die eine Gruppe hat die Sturmgewehre, die andere das Geld. Zu Anfang lernt man die einzelnen Protagonisten ein wenig kennen, es sind Gestalten von zweifelhafter Intelligenz, abgebrüht, professionelle Kriminelle.

Wie immer in solchen Fällen ist die Stimmung spannungsgeladen. Jedem Beteiligten ist klar, dass ein falsches Wort, eine falsche Bewegung, die Situation eskalieren lassen kann. Alle sind daher krampfhaft um Ruhe bemüht. Doch dann löst ein privater Konflikt tatsächlich die Katastrophe aus.

Es folgt ein brillant inszenierter Kampf jeder gegen jeden, einziger Schauplatz ist die alte Lagerhalle. Der Schuppen ist abbruchreif, der Boden bedeckt von Müll und Bauschutt. Der Weg zum Ausgang bietet keine Deckung, alle Beteiligten, es sind acht Personen, müssen hinter Betonstücken, Säulen, Kisten Deckung suchen. Bereits nach wenigen Minuten hat jeder von ihnen mindestens einen Streifschuss abbekommen. Es bilden sich kleine Grüppchen, die sich schnell wieder auflösen, Duelle entstehen, bis wieder ein neuer Gegner ins Schussfeld gerät und die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Die Handkamera schwenkt interessiert von einem Protagonisten zum anderen.

Die Audiospur ist erfüllt mit den Geräuschen der Schüsse, dem Zischen, Sirren, Pfeifen der umherfliegenden Kugeln, den dumpfen Einschlägen in Holz oder Beton, dem Pling und Bong der Abpraller. Dazu kann man auch die einzelnen Waffenmodelle am Sound unterscheiden, die kleinen Revolver, die Pistolen und natürlich die Sturmgewehre. Das Soundediting ist meisterhaft, jedem Schuss lassen sich problemlos die Waffe und sogar der Ort und die Figur zuordnen, die sie abgeschossen hat.

Einige der Schauspieler kennt man bereits, allen voran Cillian Murphy ("Batman Begins"), aber auch Sam Riley ("On the Road"), Armie Hammer ("Codename U.N.C.L.E.") oder Brie Larson ("21 Jump Street"), die anderen kommen eher aus der dritten Reihe. Keiner von ihnen dürfte mit diesem Film viel Geld verdient haben. Der englische Regisseur Ben Wheatley war bisher vor allem im Reich der unterfinanzierten Action- und Horrorstreifen unterwegs, er weiß, wie man mit einem kleinen Budget auskommt. Unterstützung bekam er übrigens von Altmeister Martin Scorsese, der als ausführender Produzent agierte.

"Free Fire" ist ein schmutziger, kleiner Genrefilm, der nichts anderes will als die perfekte Actionszene zu schaffen. Dazu hat Wheatley die großen Vorbilder der Filmgeschichte studiert, der Einfluss etwa von Tarantinos "Reservoir Dogs" oder Michael Manns "Miami Vice" (der Film) ist deutlich zu erkennen. Zieht man das Vorgeplänkel ab, nimmt er sich für eine Szene, die normalerweise nur wenige Minuten dauert, eine ganze Stunde Zeit. "Free Fire" ist eine Hommage an die großen Shootouts der Filmgeschichte und zeigt gleichzeitig, was man aus diesen Szenen noch herausholen kann.

"Free Fire" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Donnerstag 06 April 2017 um 23:22 von Roland Freist

Bearbeitet: Freitag 07 April 2017 0:08

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Filmkritik: "Life"

Calvin nicht mehr allein zu Haus

"Blast das Ding ins Weltall", möchte man den Protagonisten dieses Films ein ums andere Mal zurufen. "Blast das Ding doch endlich ins Weltall." Denn das hat gut funktioniert in "Alien" Teil 1, 2 und 4, einer Filmreihe, mit der "Life" einiges gemeinsam hat. Doch die Crew, die hier versammelt ist, kennt die Alien-Filme offenbar nicht. Denn ansonsten wüsste sie, dass man außerirdische Monster am besten bekämpft, indem man sie ins Weltall hinausbläst.

Die Crew besteht aus sechs Personen: den beiden Amerikanern Rory Adams (Ryan Reynolds) und David Jordan (Jake Gyllenhaal), den Briten Miranda North (Rebecca Ferguson) und Hugh Derry (Ariyon Bakare) sowie der russischen Kommandantin Katerina Golovkin (Olga Dihovichnaya) und dem Japaner Sho Kendo (Hiroyuki Sanda). Ihre Aufgabe ist es, eine Sonde einzufangen, die mit einer Bodenprobe vom Mars zur Erde zurückkehrt. Man hat sie dazu auf die ISS geschickt, wo sie die gesammelten Erdbrocken auch gleich untersuchen sollen. Das dient vor allem der Sicherheit: Denn sollten die Wissenschaftler etwas Lebendiges und potenziell Gefährliches finden, könnte man auf dieses Weise vermeiden, dass es sich auf der Erde breitmacht.

Und tatsächlich: Die Sonde hat einen Passagier mitgebracht, einen Einzeller, der auf den Namen Calvin getauft wird. Nachdem Ryan Reynolds es ihm im Labor warm und gemütlich gemacht hat, beginnt er tatsächlich sich zu teilen. Schon bald wächst Calvin zu einem transparenten Glibberwesen mit erstaunlichen Kräften heran. Was nun folgt, ist weitgehend vorhersehbar: Ein Besatzungsmitglied nach dem anderen wird äußerst brutal getötet, bis zum Schluss nur noch einer übrig ist. Und niemand denkt daran, einfach mal eine Luke zu öffnen und das Ding ins Weltall zu blasen.

"Life" ist im Kern eine modernisierte Version von "Alien", mit einer realistischeren Umgebung und CGI-Effekten auf dem aktuellen Stand der Technik. Regisseur Daniel Espinosa ("Safe House") gelingt es nahezu von Anfang an, eine bedrohliche Atmosphäre zu schaffen. Von den Figuren an Bord der ISS erfährt man gerade so viel, dass man sich Sorgen um sie macht – und sich auch immer wieder über sie aufregt. Mit der Spannung und dem düsteren Gesamteindruck von "Alien" kann der Film jedoch nicht mithalten. Das liegt einerseits an dem Monster, dessen Gestalt man von Anfang an in der Entwicklung sieht, was einer der Grundregeln für Horrorfilme widerspricht: Zeige die Gestalt des Bösen immer erst ganz zum Schluss. Auf der anderen Seite enthält der Film so viele logische Ungereimtheiten und offensichtliche Fehlentscheidungen der Mannschaft, dass man sich nach einiger Zeit zu ärgern beginnt. Der Grusel tritt dabei leider etwas in den Hintergrund.

Die Riege der Schauspieler ist besser als es für solch einen Film eigentlich notwendig wäre. Allen voran natürlich Jake Gyllenhaal und Ryan Reynolds, doch auch der Rest der Darsteller macht seine Sache gut. Dass im Rahmen einer solchen Handlung keine differenzierte Charakterzeichnung möglich ist, ist aber ebenfalls klar.

"Life" ist alles in allem ein guter, wenn auch nicht herausragender Science-Fiction-Film. Studio, Drehbuchautoren und Regisseur sind auf Nummer Sicher gegangen und haben mit bewährten Mitteln einen soliden Weltraumhorror gestaltet. Originalität und Überraschungen darf man freilich nicht erwarten.

"Life" in der IMDB

Der deutsche Trailer:

Geschrieben am Sonntag 26 März 2017 um 19:53 von Roland Freist

Bearbeitet: Sonntag 26 März 2017 20:33

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